Dienstag, 13. September 2011

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Big-Brother-Nachfolge: Intelligenzresistente Horror-WG in der Haupstadt - WELT ONLINE

Wenn es Meike nicht schon gäbe, müsste sie ein RTL II-Drehbuchautor erfinden. Meikes Horizont reicht bis zum nächsten Nagelstudio. Ihr Wortschatz besticht durch den redundanten Gebrauch der Vokabel ?Ey?. Meike kann nicht zeichnen, träumt aber von einem Praktikum in einem Tattoo-Studio. Es könnte der Beginn einer wunderbaren Karriere werden.

In der neuen Fernseh-WG von RTL II befindet sich Meike in bester Gesellschaft. Es ist ein eigener Kosmos, der von spätadoleszenten Checkern und Chicks bevölkert wird. Als Barkeeper, Promoter oder Fitnesstrainer können sie es sich leisten, so herumzulaufen, wie sich RTL II-Drehbuchautoren die Jugend von heute vorstellen.

ADHs-geplagt, hormongesteuert und exhibitionistisch veranlagt. Gemeinsam stellen sie sich der größten Herausforderung, der Berufsanfänger seit dem Zweiten Weltkrieg ausgesetzt waren: Wohin mit der vielen Tagesfreizeit?

RTL II hat das Klischee mit der Realität versöhnt und Meike & Co. Asyl in einer fiktiven WG gewährt, mit stets gefüllten Kühlschränken und sich selbst-reinigendem WC.

Coole Partymetropole Berlin bleibt vor der Haustür

Man findet diese WG in Berlin, aber ebensogut hätte der Sender seine Protagonisten in die Pampa oder gleich auf den Mond schießen können.

Denn was die Darsteller dieser gescripteten Reality-Soap erleben, das hat ungefähr so viel mit dem Alltag junger Erwachsener zu tun wie Berliner Weiße mit Berlin.

Die ach so coole Party-Metropole muss nur als Staffage herhalten. Bilder vom Potsdamer Platz, vom Fernsehturm oder vom Brandenburger Tor werden zwischendurch eingeblendet, um den Zuschauer in der Illusion zu wiegen, dass es vor der Haustür auch noch echte Menschen gibt. Natürlich arm, aber sexy.

Eifersucht, Zickenkrieg, Party, das sind die Koordinaten, die das Leben in dieser WG abstecken. Dass das ungefähr so unterhaltsam ist, wie einer Waschmaschine im Schongang zuzusehen, diese Erfahrung hat RTL II gerade mit der 11. Staffel seiner Container-Soap ?Big Brother? gemacht. Die Mutter der Reality-Soaps, sie hat sich in einer Sackgasse verrannt.

Kaum einer hat noch Lust, intelligenzresistenten Selbstdarstellern dabei zusehen, wie sie ihre Zeit totschlagen. Auch der Einzug einer Ex-Bohlen-Geliebten namens Naddel konnte die Quote nicht auf ein nennenswertes Niveau heben.

?Berlin - Tag & Nacht? zieht die Konsequenz aus diesem Dilemma. Es ist ein Hybrid aus ?Big Brother? und Daily Soaps wie ?Gute Zeiten, Schlechte Zeiten.? RTL II liefert seine Laiendarsteller nicht einfach den Kameras aus. Sie bekommen vorher ein Drehbuch an die Hand. Angeblich, so heißt es beim Sender, orientiert es sich dicht am Alltag der Protagonisten. Davon verspricht sich der Sender mehr Authentizität.

Stereotype, eingesperrt in ein Loft

Die erste Episode löste diesen Anspruch tatsächlich ein. Man weiß zwar nicht, ob Meike wirklich von einer Karriere im Tattoo-Studio träumt. Möglicherweise würde sie sich auch mit einem unbezahlten Praktikum im Nagelstudio zufriedengeben. Vielleicht hat sie ihren Kopf aber auch nicht nur zum Haaretragen und sogar Sprechunterricht genommen, damit ihr das ?Ey? noch flüssiger über die Lippen rutscht.

Doch innerhalb der stereotypen Rolle, die man ihr und den anderen in einem einfallsloses Drehbuch aufgedrückt hat, bewegten sie sich überraschend authentisch.

Mitbewohner Ole etwa, RTL II-Zuschauern schon aus der gescripteten Reality-Soap ?X-Diaries: love, sun & fun? bekannt, tat wieder das, was arbeitslose Partylöwen im Leopardenslip eben so tun, wenn gerade nichts Vernünftiges bei RTL II im Fernsehen läuft. Er baggerte Meike (?Die Optik, erste Sahne!) und alles an, was rund und nicht bei drei auf den Bäumen war.

Joe, muskelbepackt und tätowiert und mit 38 Jahren für die Rolle als WG-Papa prädestiniert, musste ihn daran erinnern, mal wieder die Miete zu bezahlen. Ein bisschen Realität kann eben doch nicht schaden.

RTL II wird damit keinen Oscar gewinnen, doch unterhaltsamer als eine Waschmaschine im Schongang ist das schon. Der Sender hat mit ?Berlin - Tag & Nacht? gewissermaßen in den Schleudermodus umgeschaltet und die Soap so auf das Niveau anderer Vorabendsoaps gehoben - bloß zum halben Preis.

RTL II, Berlin ? Tag & Nacht, Montag bis Freitag, 19 Uhr.



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Rayo gewinnt Big Brother-Gähn-Finale - BZ

Gleich am Anfang feuerte RTL2 die Highlights von 134 Tagen Big Brother ab: Titten, Transen, Temperamente. Dazu jede Menge Kommentare zu sozialem Container-Verhalten ("Kotzbrocken", "Ich kack auf Dich!"). Moderatorin Aleks Bechtel nannte "Big Brother" die "spannendste Entscheidung des Fernsehjahres". Größenwahn?

Als zum ersten Mal das Teenager-Gekreische vor dem Kölner Coloneum in den Container übertragen wurde, ging Benny (21) die Düse: "Was ischn do los?", fragte er erstaunt und knallte sich gleich gläserweise Rotwein hinter die Binde. Ab morgen wird Benny aber seinen Alkohol wieder selbst bei Aldi kaufen müssen. Denn er flog in der Finalshow als erstes raus. Oder in RTL2-Worten: Er ist der 5. Sieger. Bekommt aber kein Geld. Dumm gelaufen.

Cosimo (29) hatte sich zwar für die Finalshow extra seinen feinen Falco-Zwirn angezogen, doch auch für ihn war der Container-K(r)ampf umsonst. 4. Sieger. Kein Problem, denn Kumpel Bushido schenkt ihm ja 100.000 Euro. Trotz der Rapper-Almosen will Cosimo aber die Bodenhaftung behalten und sagte in der ihm eigenen Sprache: "Im Leben ist nicht Geld alles".

Labyrinth-Bart-Leon (34) hat wenigstens die Chance, sich auf einer Traumreise zu verlaufen - die gibt es für seinen dritten Platz. Brav wie Leon nun mal ist wünschte er Kumpel Rayo den Titel: "Das ist ein herzensguter Mensch". Ansonsten will er erstmal seine Plüsch-Affendame wiedersehen, die er in der Staffel bekommen hat. Was für ein Mann!

Zuletzt langweilten sich Daggy (31) und Rayo (27) allein im Container, durften sich RTL2-Praktikantenvideos der "schönsten Momente" anschauen. Werbepause. Nochmals 99-Sekunden fürs Telefonvoting, Prozente gucken, Notarin kommt, endloses Geplappere vom Big Brother Darth Vader ("Ihr hat immer die Gefühle der anderen respektiert", "Ihr habt ein starkes Fundament gebildet auf dem die anderen Bewohner aufbauen konnten". Gähn. Nochmal Werbepause, sogar die Zuschauer vor Ort buhen. Als Rayo als Sieger feststeht, sinkt er auf die Knie und heult rum. "Ich danke Euch" - für 125.000 Euro. Daggy bekommt ein Auto mit Big-Brother-Aufklebern.

Was noch? Ex-Bewohnerin Jordan stand herum, ihre Brüste kämpften wie immer mit der Schwerkraft. Florian (26) und Super-Transe Valencia (Alter unbekannt) kündigten an, bald zu heiraten. Wenn es nicht klappt, kann er es ja bei Desiree Nick versuchen. Die beiden Damen sind sich ja durchaus ähnlich.

Was bleibt nach 195 Minuten Big Brother-Final-Show? "Das wird ein Abend, den Sie nie vergessen werden", hatte Aleks Bechtel ja versprochen. Ehm, wie bitte? War da was?

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